Wenn Rahmen Geschichten erzählen

Über die Kunst der Poliment-Versilberung und die Schönheit langsamer Handwerkskunst

Poliment-Versilberung
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„Die Rahmen tuscheln bereits darüber, welche Illustrationen wohl bei ihnen einziehen werden …“

Noch stehen sie leer in der Werkstatt.

An die Wand gelehnt, nebeneinander aufgereiht, scheinen sie geduldig auf ihren großen Moment zu warten. Man könnte fast meinen, sie würden miteinander flüstern.

Wer wird bei mir einziehen?

Eine Illustration?
Ein Linoldruck?
Eine Erinnerung?
Eine Geschichte?

Bevor ein Rahmen jedoch Bilder bewahren kann, muss er selbst eine Geschichte bekommen.

Und genau dort beginnt die Kunst der Poliment-Versilberung.

Eine alte Technik aus einer anderen Zeit

Manche Handwerkstechniken haben etwas Magisches.

Nicht, weil sie geheimnisvoll wären, sondern weil sie aus einer Zeit stammen, in der Dinge langsam entstehen durften.

Die Poliment-Vergoldung und Poliment-Versilberung gehört dazu.

Bereits vor Jahrhunderten wurden auf diese Weise Bilderrahmen, Altäre, Spiegel und kunstvolle Möbel veredelt. Noch heute findet man die Technik in historischen Werkstätten, Restaurierungsateliers und überall dort, wo traditionelle Handwerkskunst lebendig geblieben ist.

Das Besondere daran:
Die Oberfläche wird nicht einfach mit Farbe bemalt.
Stattdessen wird echtes Blattmetall aufgetragen.

Blattsilber ist dabei so dünn, dass es beinahe schwerelos wirkt. Ein einzelnes Blatt misst oft nur wenige Mikrometer. Es raschelt kaum hörbar und bewegt sich bereits beim leisesten Luftzug.

Wer damit arbeitet, lernt schnell:
Hier gewinnt nicht die Eile.
Hier gewinnt die Geduld.

Poliment-Versilberung
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Poliment-Versilberung
Poliment-Versilberung
Poliment-Versilberung

Warum heißt das Poliment?

Das Wort „Poliment“ stammt vom italienischen bolo beziehungsweise vom französischen poliment und bezeichnet eine feine Grundierung aus Tonerden, Leim und Wasser.

Diese Schicht bildet das Fundament der späteren Versilberung.

Man könnte sagen: Das Poliment ist das Bett, auf dem sich das Silber später niederlässt.

Je sorgfältiger dieser Untergrund vorbereitet wird, desto schöner kann das Licht später über die Oberfläche wandern.

Denn genau darum geht es bei dieser Technik:
Nicht nur um Silber.
Sondern um Licht.

Poliment-Versilberung

Silberne Vorfreude

Prozess

Vom Holz zum Leuchten

Bevor das erste Silberblatt seinen Platz findet, sind viele Arbeitsschritte notwendig.

Der Rahmen wird geschliffen.
Grundiert.
Mehrfach aufgebaut.
Immer wieder geglättet.

Schicht für Schicht entsteht eine Oberfläche, die beinahe samtig wirkt.

Erst dann beginnt der eigentliche Zauber.

Mit einem speziellen Anschießer – einem flachen Pinsel aus feinem Haar – werden die hauchdünnen Silberblätter aufgenommen.

Ein Atemzug zu viel.
Ein unachtsamer Handgriff.
Und das Blatt fliegt davon.

Langsam legt sich das Silber auf den vorbereiteten Untergrund.

Blatt für Blatt.
Millimeter für Millimeter.
Wie eine glänzende Haut.

Vertrauen in den Prozess

Vielleicht fasziniert uns diese Technik deshalb so sehr.
Weil sie uns zwingt, Kontrolle loszulassen.

Während viele moderne Verfahren auf Geschwindigkeit ausgelegt sind, verlangt die Poliment-Versilberung etwas anderes: Vertrauen.

Denn erst viel später zeigt sich, wie die Oberfläche wirken wird.

Wo das Licht hängen bleibt.
Wo Schatten entstehen.
Wo Reflexionen sichtbar werden.

Der Rahmen verändert sich mit jedem Blickwinkel.
Mit jeder Tageszeit.
Mit jeder Jahreszeit.
Fast so, als würde er selbst atmen.

Warum handwerkliche Unvollkommenheit so schön ist

In einer Welt voller perfekter Oberflächen besitzen handwerklich gefertigte Dinge eine besondere Qualität.

Sie tragen Spuren ihrer Entstehung.
Eine minimale Unebenheit.
Eine feine Struktur.
Einen Lichtreflex, der nie exakt reproduzierbar wäre.

Genau darin liegt ihr Charakter.
Kein Rahmen gleicht dem anderen.

Jede Versilberung entwickelt ihre eigene Persönlichkeit.

Und genau deshalb harmoniert diese Technik so wunderbar mit Illustration und Druckgrafik.

Beides lebt von der Handschrift.
Von kleinen Abweichungen.
Von Entscheidungen.
Von Spuren.

Der Moment, in dem alles zusammenkommt

Irgendwann ist der Rahmen fertig.

Das Silber beginnt zu leuchten.
Nicht laut.
Nicht aufdringlich.

Sondern mit jener stillen Eleganz, die nur Materialien besitzen, die Zeit gebraucht haben.

Dann wartet der Rahmen.
Auf einen Linoldruck.
Auf eine Illustration.
Auf ein Bild.
Auf die Geschichte, die er eines Tages umschließen darf.

Vielleicht ist das der schönste Teil dieser Arbeit.

Nicht das Silber.
Nicht das Handwerk.
Sondern die Vorfreude.

Denn noch sind die Rahmen leer.

Doch wenn man genau hinhört, tuscheln sie bereits darüber, welche Geschichten wohl bei ihnen einziehen werden.

Poliment-Versilberung
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