Wenn der Moment druckt, was bleibt
Es gibt in der Druckgrafik einen seltenen Augenblick, in dem Kontrolle und Zufall einander die Hand reichen. Einen Moment, der nicht geplant werden kann – nur zugelassen. Genau dort beginnt unsere neue Serie: „Impression-Prints“.
In einem begleitenden Video wird dieser Prozess sichtbar: Farbe trifft auf Sieb, wird direkt und spontan aufgetragen, mit Rakel, Pinsel oder Handbewegung verteilt – schnell, intuitiv, fast flüchtig. Und dann: der Druck. Ein einziger Zug. Ein Abdruck. Ein unwiederholbarer Moment.
Was Monoprints besonders macht
Der klassische Siebdruck lebt von Wiederholbarkeit. Ein Motiv, vielfach reproduzierbar.
Der Monoprint hingegen widersetzt sich genau diesem Prinzip.
Hier wird das Sieb nicht mit einer festen Schablone vorbereitet, sondern für jeden Druck neu bemalt. Farbe wird direkt auf das Gewebe aufgetragen – spontan, gestisch, ohne feste Vorlage. Das bedeutet:
- Jeder Druck ist ein Unikat
- Keine Wiederholung ist möglich
- Der Prozess ist Teil des Ergebnisses
Das Sieb wird zur Bühne. Die Farbe zur Bewegung.
Und das Papier – zum Moment, der alles festhält.

Eine leise Verwandtschaft
Was hat diese Technik mit dem Impressionismus zu tun?
Mehr, als man auf den ersten Blick denkt.
Die Impressionisten*innen wollten nicht die Welt exakt abbilden – sie wollten den Augenblick einfangen: Licht, Atmosphäre, Bewegung. Sie malten schnell, in Fragmenten, in Farbflecken. Formen durften sich auflösen, Konturen verschwimmen.
Genau das geschieht auch im Monoprint:
- Farbe wird nicht exakt gesetzt, sondern erlebt
- Formen entstehen im Fluss der Bewegung
- Das Motiv ist nicht fest umrissen, sondern eine Annäherung
Was bleibt, ist kein exaktes Abbild – sondern ihre Impression.
Ein Nachbild des Sehens. Ein Echo des Moments.

Vier Drucke.
Ein Motiv.
Eine Bewegung.
Jedes Motiv der Serie „Impression-Prints“ besteht aus vier einzelnen Blättern, die sich zu einem Gesamtbild fügen.
Und doch funktioniert jedes Blatt für sich.
Mal sind die Formen klar erkennbar.
Mal lösen sie sich auf in Farbräume, in Andeutungen, in Bewegung.
Wie Blüten im Wasser.








Das Papier – Träger des Moments
Gedruckt wird auf unserem handgeschöpften Papier „mésange bleue“ – entstanden aus recycelten Jeansfasern.
Ein Papier, das bereits eine Geschichte in sich trägt.
Seine leicht unruhige Oberfläche, die Mischung aus glatten und rauen Bereichen, seine hohe Saugfähigkeit – all das macht es zum idealen Partner für diese Technik. Die Farbe zieht ein, verläuft, reagiert. Sie wird nicht nur aufgetragen – sie verbindet sich.
So wird jedes Blatt zu einem Dialog aus Material und Bewegung
Oder anders gesagt: Das Papier druckt mit.

Ein Prozess wird sichtbar
Im Prozess sieht man, wie die Farbe direkt auf das Sieb gelangt.
Wie sie sich verteilt.
Wie Entscheidungen im Moment getroffen werden.
Und dann dieser eine Augenblick:
Wenn das Sieb angehoben wird vom Papier.
Langsam.
Zögernd.
Und darunter erscheint das Bild.
Nicht exakt so, wie gedacht.
Sondern so, wie es entstehen wollte.


Warum wir diese Serie präsentieren
Weil sie uns daran erinnert, warum wir tun, was wir tun:
- Weil nicht alles kontrollierbar sein muss
- Weil Material eine eigene Stimme hat
- Weil Schönheit oft dort entsteht, wo wir loslassen
Die „Impression-Prints“ sind keine perfekten Abbildungen.
Sie sind Spuren eines Prozesses.
Flüchtig.
Lebendig.
Und genau deshalb: bleibend.

Ausstellung
„Da blüht Dir was! – Flora, Farbe, Fauna“
Landesgartenschau
Ellwangen | Stadtpark
Freitag, 21. August 2026
10–16 Uhr
Wir freuen uns auf euren Besuch!



